Ist regional das neue bio?

Ist regional das neue bio?!

Klingt gut, beim näher Hinschauen aber leider der volle Schmarrn!

Fragen wir uns einmal kurz, was ist regional, was ist bio?

Regional finden alle super, versteht halt jeder nur anders. Aus meinem Ort, aus meiner Umgebung? Aus einem Kulturraum (Franken, Allgäu)? Aus einem Bundesland? Aus einem Umkreis von 50, 100, 150 km Entfernung?  Kilometro zero sagt Italien. Geschützte Ursprungsbezeichnung (g.U.) oder geschützte geografische Angabe (g.g.A.), D.O.P., A.O.C. 
sagen die EU und andere. 

 

Regional ist Emotion, Heimat, Wohlfühlen. Bei uns ist alles toll oder zumindest viel besser. Wirklich?

 

Wenn Region, dann wieviel davon? Alles von dem was drin ist oder wieviel Prozent? Oder nur die Herstellung - ein Moment an einem bestimmten Ort? Oder nur die Verarbeitung? Klar, Lübecker Marzipan, kennen wir. Aber die Mandeln kommen dann doch eher aus Kalifornien, weil dort viele wachsen und die viel billiger sind. Denn an der Ostsee wachsen sie noch nicht ganz so gut, da braucht es mehr Klimawandel. Lieber nicht. Und die Zuckerrüben sind von woher? Vielleicht eher Glucose-Fructose-Sirup aus Mais, der wächst überall?

 

Wie ist es bei Nürnberger Bratwürsten oder Original Parmaschinken?

Beginnen wir bei den Nürnberger Bratwürsten: in und um Nürnberg hergestellt, aber oft aus Schweinefleisch aus den Niederlanden und Dänemark. Wer‘s nicht glaubt, der kann sich an die Einfahrt der Wurstfabriken stellen und die Nummernschilder der Fleischlaster ansehen. Läuft in und um Parma beim Parmaschinken nicht anders. Keulen aus aller Welt runter über den Brenner, veredelter Schinken wieder zurück über den Brenner.

 

Was ist Qualität aus Bayern?

Qualität aus Bayern, das sagt viel aus. Beim Rindfleisch muss das Tier in Bayern geboren, aufgewachsen, geschlachtet und verarbeitet worden sein. Und viel wird geprüftprotokolliert und dokumentiert. In industriellen Verarbeitungsprozessen und in jeder Landwirtschaft aber die selbstverständlichste Sache der Welt und keine Auszeichnung an sich

 

Nennt sich Qualitätssicherung. Der Begriff enthält aber nicht alles, was unterschiedliche Menschen darunter verstehen. Geschmacksqualität gehört z.B. nicht dazu. Und bestimmte Haltungsbedingungen ebensowenig. Nochmal kurz in die Industrie: ein Mobiltelefon, was zwei Tage nach Ende der Garantie seinen Geist aufgibt, ist sicher nach allen Qualitätskriterien hergestellt worden. Eine bestimmte Qualität, nämlich die schnell Kaputtgeh-Qualität sogar inklusive.

 

Was ist Fleischqualität?

Ein weites Feld, den einen geht es eher um Quantität, viel, billig, Hauptsache satt. Soll gut schmecken, saftig und zart sein. Definiere zart! Wie zahnlos?! Nicht in der Pfanne zusammenschnurren, keine Rückstände enthalten.

 

Gourmets und Gourmands wollen vielleicht ein typisches Geschmacksprofil einer bestimmten Rasse wiederfinden, starke Marmorierung, unterschiedliche Zuschnitte (Cuts). Verschiedene Fleischteile, das ganze Tier essen, Zubereitungsarten jenseits von Filet, Steak, Lende und Kurzgebratenem. Geschmort, gesotten, langsam gegart, sous vide. Innereien!

 

Für viele Fleischesserinnen und Fleischesser ist es ganz wichtig, dass das Tier artgerecht gehalten wird, Weidegang hat, draußen sein kann, Stroh als Einstreu vorfindet, nicht nur auf Spaltenböden stehen muss. Außerdem Futter vom eigenen Betrieb, viel Gras und Heu und vor allem kein importiertes Sojakraftfutter aus Übersee bekommt. Nun, dazu sagt Qualität aus Bayern leider nichts aus. Jetzt braucht es Bio und die damit verbundenen klaren Zusatzanforderungen. 

 

Nicht das damit alles perfekt wäre, aber mehr als bei konventionell. Und da bio mittlerweile genauso ein Geschäft ist, wird es ganz genauso um die Welt gekarrt. Daher Bio aus Bayern!

 

Bio oder konventionell - wer ist besser?

Ja, es gibt konventionelle Betriebe, die praktisch genauso gut wirtschaften oder im Prinzip alle Anforderungen erfüllen. Und es gibt sicher auch Betriebe, die besser halten und besser mit ihren Tieren umgehen als andere. Aber dazu muss man sie persönlich kennen, etwas Ahnung haben und ihnen vertrauen. Bio-Siegel schaffen hingegen eine Art Grundverlässlichkeit, weil da regelmäßig und viel kontrolliert wird. Gibt es bei bio schwarze Schafe? Natürlich! Wo Menschen unterwegs sind, gibt es kriminelle Energie. Und Bio ist keine Heilslehre.

 

Kommen wir zurück auf den Hauptaspekt

Transparenz ist extrem wichtig, das Wissen, wo es herkommt.

Die Möglichkeit, einfach mal dort hinfahren und sich mit eigenen Augen davon zu überzeugen. Das Gespräch mit den Bäuerinnen und Bauern suchen.

 

So wird Region keine Abgrenzung oder Ausgrenzung, sondern Verständnis, Wertschätzung und Vielfalt!

Ein Projekt, gefördert von der Landeshauptstadt München -

Referat für Gesundheit und Umwelt. BioStadt München,

Ansprechpartnerin: Angelika Lintzmeyer, RGU-UVO11,

Telefon: +49-89-233-47560

Projektpartner: Genussgemeinschaft Städter & Bauern e.V. 

verantwortlich: Markus Hahnel
Mobil:  0176-577 40 330

markus@genussgemeinschaft.de