ICH WILL ALLES JETZT SOFORT

Unser seltsames Bedürfnis nach ständiger Verfügbarkeit: 
ICH WILL ALLES-JETZT-SOFORT. IMMER-MEHR-UND-ÜBERALL

 

Hmm, Kopfkino: ein zickiges Kind, das sich trollig-brüllend auf den Boden wirft? Nein, ganz und gar nicht. Eher wir Konsumenten im Kontext Food 4.0.

 

Vom Land und vom Schnee

Je mehr und näher wir Menschen dem Land, der Landwirtschaft, der Handarbeit verbunden waren, desto näher waren uns Tageszeit, Jahresabläufe, Jahreszeiten und der saisonale Wandel. Auch Gedeih und Verderb -  im wortwörtlichen Sinn. Das war für alle oft sehr direkt, ungefiltert, schmerzhaft, existenziell, einengend und einschränkend. Es wirkte jedoch gleichzeitig als heilsame Verwurzelung und gab vielen einen Kompass zur Orientierung. Alles hat seine Zeit! Im Überfluss, wie in der Knappheit, im Glück, wie in nicht so guten Situationen. 

 

Gerade jetzt im Winter und wenn im Alpenraum einmal mehr Schnee als sonst fällt, wird uns das bewusst: in unseren Breiten gibt es eine Vegetationsruhe, Kälte, Einschränkungen. Doch dafür wird es bald wieder Frühling. Alles wächst, gedeiht, blüht, reift, wird geerntet, verdirbt, verwelkt, stirbt. Wie ein Blatt!

 

Vom Melken und Pausieren

Wer saisonale und regionale Ernährungsschwerpunkte setzt, hat im Winter in erster Linie Lagergemüse und Lagerobst auf dem Speisezettel. Wenig Salat. Dafür viel Eingemachtes. No milk today! schreibt z.B.  der Knallerbsenhof in seinem wunderbaren Blog „Hinterm Scheunentor!“ vom Melken und Pausieren -– in der Ruhe liegt die Kraft. Keine frische Ziegenmilch im Winter. 

 

Von Fleisch und viel Streit

„Wie Du isst Fleisch, ...immer ihr ewigen Fleischesser! Du weißt doch, dass...“ 

Sprach es und stocherte im winterlichen Green & Healthy Bowl-Pflücksalat mit Avocadospalten herum. „Weißt DU nicht, wieviel knappes Wasser Avocados verbrauchen?“ Wer hat hier recht, wer is(s)t besser? Oder wer ist deswegen ein besserer oder schlechterer Mensch? Benutzen wir Essen nicht als Abgrenzung unserer Individualität oder gar als Statussymbol. Essen wird nicht automatisch zum GOOD FOOD, weil es inszeniert oder so schön Instagramable ist! Anscheinend ein Dilemma von Omnivoren - Allesfressern.

 

Von Trends und Algorithmen

Trends sind gut, schaffen Neues, sind erfrischend. Doch vor lauter Sehnsucht im Trend zu sein, verlieren wir uns in Beliebigkeit. Wir karren Lebensmittel ständig um die halbe Welt, wir machen ökonomische und soziale Ungerechtigkeiten zum Grundpfeiler vieler Geschäftsmodelle. Und geben uns der Vorstellung hin, die Klimafreundlichkeit der eigenen Existenz oder Ernährung von einer App oder einem Rechenprogramm bestimmen lassen zu können. Es kommt nämlich immer darauf an und es reicht nicht, dass ein Algorithmus das Nachdenken ersetzt. Warum reicht uns nicht das Hier und Jetzt? Es gibt, was es gibt? Warum alles überhöhen, aufblasen, eventisieren und inszenieren? Superfood, BACK-TO-IRGENDWAS, GREEN&IRGENDWIE. Dann doch lieber wie ein Laden in Berlin: Vom Einfachen das Gute!

 

Von Gold, Knappheit und dem Überfluss

Kurzer Ausflug: Warum ist Gold so wertvoll? Ist doch von komischer Farbe, kein besonders hartes und auch kein stabiles Metall, trotzdem recht schwer. Eine Brücke oder auch nur einen Spätzlehobel könnte man daraus nicht bauen. Ja, Gold ist nur wertvoll, weil es so selten ist. Und sich daher als Wertspeicher, Münze, Währung eignet und über seinen hohen Preis z.B. auch als Schmuck attraktiv ist und Verwendung findet.

 

Vergolden wir doch bildhaft die Erdbeeren, wenn sie im Juni aus dem Garten oder vom Erdbeerfeld um die Ecke kommen. Vergolden wir die Äpfel, wenn sie wie im letzten Sommer überreich an den Ästen gehangen sind, bis diese zum Teil unter ihrer Last abbrachen. Wertschätzen wir ein Stück Bergkäse, das erst im nächsten oder übernächsten Herbst seinen Weg aus dem Reifekeller auf unseren Teller gefunden hat und nach Wiesen, Bergblumen, Kräutern und dem Heu eines vergangener Sommers schmeckt und erzählt. 

 

Ein Projekt, gefördert von der Landeshauptstadt München -

Referat für Gesundheit und Umwelt. BioStadt München,

Ansprechpartnerin: Angelika Lintzmeyer, RGU-UVO11,

Telefon: +49-89-233-47560

Projektpartner: Genussgemeinschaft Städter & Bauern e.V. 

verantwortlich: Markus Hahnel
Mobil:  0176-577 40 330

markus@genussgemeinschaft.de