Fleisch essen: ein Spagat zwischen Anspannung, Shitstorm, Toleranz, Bessermensch, Umfragen und die Welt verbessern

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 Fleischlos und Fleisch

Eine Politikerin postete fröhlich zum Jahreswechsel ein Bild mit Eisportion und Plastiklöffel. Wie kann sie nur? Böse, böse! Dreimal BÖSE weil noch dazu Flugzeug, Fernreise, Kalifornien, viele Hashtags. Und Trump-Land und überhaupt. Und wo sich andere doch gerade erst zweimal abgemeldet haben. Welch ein Glück, dass sie kein Fleischbild gepostet hat. Das hätte was gegeben. Das macht für sie der Ribéry, das Goldstück/-steak! Beide beherrschen die Social Media-Klaviatur nicht nur zu Neujahr auf ihre Weise.

 

Holen wir kurz aus: So richtig nachhaltig ist jeder Mensch - nehmen wir gleich die ganze Spezies Mensch - eigentlich nur, wenn sie nicht lebt. Minimalkonsens?! Lebt Mensch trotzdem, so tun wir uns generell nicht nur mit Nachhaltigkeit recht schwer, sondern mit friedlichem Zusammenleben insgesamt. Aber auch mit der Frage, wer geht bei was wie weit? Wer hat recht? Wer ist besser? Wer den anderen Menschen gar überlegen, was Lebensstandard, Moral, Gesinnung, Glaube angeht. Oder gleich alles zusammen? Prädikat: Triple A. Klingt übertrieben? Nein, ein respektvoller, fairer Umgang mit anderen Meinungen und Lebensentwürfen ist schwer geworden.

 

Gemeinsam essen

Zwei oder mehr Menschen essen gemeinsam, gehen gemeinsam essen. Schon mal nicht schlecht, kann nicht jeder, kann sich nicht jeder leisten. Und wer gemeinsam isst, hat die Chance zu kommunizieren, zu genießen, kann reden, sich freuen, lachen, auch streiten. Natürlich alternativ nur den Bildschirm seines Smartphones streicheln, aber das wäre ein anderes Thema.

 

Weil wir individuell sind, hoch entwickelt und verschiedene Bedürfnisse oder kulturelle Prägungen haben, isst jeder etwas anderes. Vom Verdauungsapparat her ist der Mensch ein Allesesser. Und das macht für uns die Sache kompliziert. Wir können essen, Essen aufladen, kompliziert machen, Essstörungen entwickeln. Denn wären wir Kolibris, so flögen wir von Blüte zu Blüte, nektarsaugend, hochspezialisiert - im Extremfall nur auf eine Pflanzenunterart und deren bestimmte Blütenform. Die Schnabelform und auch die Zungenlänge sind im Laufe der Evolution perfekt darauf abgestimmt. Wären wir Vegetarier? Was für eine Frage.

 

Wer isst was?

Zurück zum Fleischesser. Da gibt es solche und solche: zum Frühstück ein Wurstbrot, mittags in der Kantine Currywurst oder Schnitzel, zwischendrin eine Leberkas-Semmel und abends bitte etwas Warmes - wieder mit Fleisch natürlich. Oder zumindest eine TK-Pizza mit Salami, wie da ist Fleisch drin? Einziges Mantra: billig & viel. Irgendwo müssen die ungefähr 60 kg Fleischverzehr pro Kopf und Jahr bzw. 88 kg Fleischverbrauch pro Kopf und Jahr ja herkommen. Genau! Oder wollen sie uns jetzt unseren Diesel, die autogerechte Innenstadt, Tempo 240 auf der Autobahn, Fußball, Silvesterböller und Glyphosat-Bier auch noch wegnehmen? Mein Fleisch gönn‘ ich mir!

 

Hier wird Fleischkonsum zu etwas gemacht, wofür er nichts kann. Die Alternative Schnitzel oder Currywurst ist leider für viele Menschen ein Stellvertreter; Ersatz, der billig sein soll. Mehr als ausreichend an Freiheit und demokratischer Wahlmöglichkeit im Leben.

 

 

Randgruppenesser

Kommen wir jetzt zu drei ernährungstechnischen Randgruppen: Einige versuchen weniger Fleisch zu essen, dafür von besserer Qualität, definieren den Qualitätsbegriff viel umfassender. Sie achten auf Herkunft, Tierwohl, Bio-Fleisch und regionalen Bezug. Essen nicht nur die Edelteile wie Filet, Lende, Schnitzel, Steak, sondern das ganze Tier. Inklusive Schmorfleisch, Innereien, Knochen für die Suppe. Und möglichst als Festmahl, gerade kein festes Mal.

 

Wieder andere essen gar kein Fleisch oder nur sehr selten, dafür aber auch andere tierische Produkte wie Honig, Eier, Milchprodukte. Laut vebu sind ca. 10 Prozent der in Deutschland lebenden Bevölkerung selbsterklärte Vegetarier. Nur knapp 2 Prozent leben völlig vegan, verzichten also ganz auf tierische Produkte. 

 

 

Flexible Meinung  - von Umfragemenschen und dem Weg zur Ladenkasse

Flexi-irgendwas ist ehrlich gesagt ein Etikettenschwindel. Denn teilweiser Fleischverzicht und eine flexible, abwechslungsreiche Ernährung sind einfach typisch omnivor (Allesfresser) - siehe obiger Diskurs in Sachen Kolibri. Schade, dass mehrheitsmäßig nur der ständige Fleischkonsum als normal angesehen wird.

 

Und jetzt kommt plötzlich die Spezies Umfragemensch ins Spiel. Sie gibt in Meinungsumfragen allerlei von sich. So z.B. worauf sie besonders Wert legt, was ihr ganz ganz wichtig ist, wofür sie bereit ist, mehr zu bezahlen. Worauf sie achtet, was sie jeden Tag tut. Nur schafft es diese Spezies Mensch nie bis zur Ladenkasse oder zur Tischreservierung. Fakt: der Biofleischanteil in Deutschland liegt z.B. UNTER 2 Prozent. Wo sind all die anderen? Wo sind all die vielen Lokale und Speisekarten? Also Leute, bitte sparen wir uns das Umfragegetue.

Was ändern? Ja, aber sofort!

Die Art der Ernährungskultur ist immer auch ein Spiegelbild von Bildungsgrad, Erziehung, Einkommen, Möglichkeiten und ganz banal des Willens, es zu tun. Anfangen etwas zu ändern, bei sich selbst. Fleischkonsum kommt da erst sehr viel später!

 

Wie isst jeder Mensch sofort besser?

10 Schritte zur Ernährungssouveränität - im nächsten Blog-Beitrag!

 

 

Quellen zum Fleischverzehr (ausgewählt und nicht repräsentativ):

https://www.bvdf.de/in_zahlen/tab_05

https://www.bund.net/fileadmin/user_upload_bund/publikationen/massentierhaltung/massentierhaltung_fleischatlas_2018.pdf

https://www.foodwatch.org/de/informieren/bio-lebensmittel/mehr-zum-thema/zahlen-daten-fakten/

Ein Projekt, gefördert von der Landeshauptstadt München -

Referat für Gesundheit und Umwelt. BioStadt München,

Ansprechpartnerin: Angelika Lintzmeyer, RGU-UVO11,

Telefon: +49-89-233-47560

Projektpartner: Genussgemeinschaft Städter & Bauern e.V. 

verantwortlich: Markus Hahnel
Mobil:  0176-577 40 330

markus@genussgemeinschaft.de